Der Audi Sport quattro S1 Pikes Peak

Nach dem Ende der Gruppe B blieb dem S1 noch ein letzter Triumph vergönnt – der Sieg im Bergrennen am Pikes Peak 1987 mit Walter Röhrl am Steuer.

Das „International Hill Climb“ an dem 4.301 Meter hohen Berg im US-Bundesstaat Colorado findet in schwindelerregender Höhe statt. Der Start liegt auf 2.866 Meter, bis zum Ziel auf dem Gipfel sind es 19,99 Kilometer. Die Serpentinenpiste mit ihren 156 Kurven bestand damals zum großen Teil aus Sand und Schotter über einem festen Untergrund aus Lehm. Die Strecke ist auf den Geraden sechs Meter und in den Kurven bis zu 15 Meter breit, Leitplanken fehlen. Immer wieder geht es an scharfen Graten wie an einer Tischkante entlang, am Punkt „Bottomless pit“ gähnt ein Abgrund von 1.800 Meter Tiefe.

Audi trat 1984 zum ersten Mal am Pikes Peak an. Michèle Mouton wurde mit dem Sport quattro Zweite, 1985 gewann sie das Rennen. 1986 setzte der Lokalmatador Bobby Unser im S1 mit 11:09,22 min eine neue Bestmarke; im Jahr darauf folgte ihm Walter Röhrl. Sein Sport quattro S1 war ein Konzept nackter Funktionalität, ans äußerste Limit getrieben. Der Fünfzylinder gab etwa 440 kW (knapp 600 PS) und 590 Nm Drehmoment ab; das Umluftsystem hielt den großen Turbolader am Laufen. Ein Doppelkupplungsgetriebe leitete die Momente auf einen quattro-Antriebsstrang mit drei Sperrdifferenzialen.

Hinter den 16-Zoll-Rädern mit den geschnittenen Slicks saß eine kleine und leichte Bremsanlage, allein zum Bergauffahren gemacht. Der S1 wog nur etwa 1.000 Kilogramm, über dem Gitterrohrrahmen spannte sich eine Außenhaut aus Stahlblech und Kunststoff. Gewaltige Flügel an Bug und Heck drückten die Karosserie auf den Boden, selbst aus den Flanken wuchsen Seitenleitwerke heraus.

Am Renntag, dem 11. Juli, startete Röhrl als Vorletzter, vor dem Trainingsschnellsten Ari Vatanen (Peugeot). Am Steuer ruhig und abgeklärt wie immer, bewältigte der Bayer den höchsten Highway der Welt in der neuen Rekordzeit von 10:47,85 min. Viermal brachte er den Sport quattro S1 in den sechsten Gang, an der schnellsten Stelle wurde er mit 196 km/h gemessen. Röhrl schlug Vatanen um knapp sieben Sekunden.

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